Mädchen in der Manege laufen auf Glasscherben
Wiesentreff und Zirkus Balloni zeigen , was echte Artisten können

Vorsichtig schiebt Sandra Wennemer mit ihrer Hand die Glasscherben zurecht. „Und jetzt muss man sich stark konzentrieren." Ein Schritt und die Betreuerin steht barfuß auf dem Scherbenhaufen - natürlich ohne sich zu verletzen. Die Mädchen um sie herum staunen. Spätestens Freitag wollen auch sie den Fakirtrick können. Denn dann führen sie im Rahmen der Projektwoche „Mädchen in der Manege" vor, was sie in fünf Tagen gelernt haben.
„Mädchen in der Manege" ist ein Koope- rationsprojekt des Circuszentrums Balloni mit dem Kinder- und Jugendzentrum Wiesentreff, das vom Land Nordrhein- Westfalen gefördert wird. Seit gestern ler- nen 25 Mädchen unter der Leitung von neun Betreuern, was es heißt, als Fakir auf dem Nagelbrett, als Balancekütistler auf dem Drahtseil oder als Artist auf dem Trapez zu stehen. Und was es heißt, alles alleine organisieren zu mussen.
„Es gibt keine Vorgaben. Die Mädchen sollen alles selbstständig erarbeiten", erklärt Elke Schmücker; Mitgründerin des Circuszentrums. Das heißt auch, dass die Neun- bis 14- Jährigen ihre Kostüme in Eigenregie schneidern sowie Choreo- graphie und Musik selbst zusammenstellen - wie in einem richtigen Zirkus.
Dabei gehen ihnen Profis zur Hand. Heute ist die Artistin Lucy Lou aus Hamburg zu Gast, um zu erzählen, wie es ist, mit Zirkus- arbeit sein Geld zu verdienen und um Tipps zu geben. Morgen hilft eine Schneiderin beim Kreieren der Kostüme, Donnerstag gibt es Ratschläge von einer Kosmetikerin beim Schminken. „Die Verpackung ist eben auch wichtig", lacht Schmücker.
Genauso wie der Name. 
Im Zirkus „Mimori" lernen Carina Jablowski (11), Berit Wenthaus (12), Kim Koll mann (10), Katharina Zicholl (10) und Julia Menne (9, v.I.), wie man auf Laufkugeln balanciert - eine wackelige Angelegenheit. 
Vier Mädchen stehen an der Wand und schreiben Namenvorschläge auf ein Plakat: „Zirkus Mädchen" und „Zirkus jungenfreie Zone". Durchgesetzt hat sich schließlich der Fantasiename „Zirkus Mimori".
Am Freitag wird es dann ernst für die Mädchen. Von 18 Uhr an zeigen sie Eltern, Geschwistern und Freunden im Circuszentrum Ballon (Doyenweg 15) ihre selbst entwickelten Akrobatiknummern. Platz ist für 200 Gäste. Kinder müssen 2 Euro Eintritt bezahlen, Erwachsene 4 Euro.
 
Westfalenpost - 31.08.2004 - (elg)  - Foto: Elena Grawe